Kommunikation: Flaschenbier macht dumm

In der heutigen Welt ist Kommunikation zunehmend digital. Instagram, Twitter, Youtube und WhatsApp ersetzen das persönliche Gespräch. Das Handy ist allgegenwärtig. Schnell ist eine Meldung rund um die Welt gesaust. Natürlich hat das viele Vorteile, aber ist damit nicht auch ein Qualitätsverlust verbunden?

Persönliche Kommunikation in fröhlicher Runde ist auch in unseren Zeiten so wertvoll zuvor. (alle Fotos: shutterstock)

Karl ist ein langer Beobachter und Begleiter meines Lebens. Er gehört der Generation meiner Eltern an. Damals war es noch üblich, dass man sich regelmäßig in der Kneipe traf. Sonntags nach der Kirche oder einfach so, auf ein Bier und ein auf Wort. Karl macht das noch heute so. Er trinkt gerne einen Schoppen, ein Bier, aber vom Fass muss es sein. Sein Wahlspruch: Flaschenbier macht dumm. Sein Credo, nur wenn ich die heimische Couch mit dem Fernseher, der Tüte Chips und der Flache Bier verlasse, nehme ich am Leben teil.

Das Leben spielt draußen

Logisch Karl, gedrungene Statur, immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, ist ein kommunikativer Typ. Er sieht viel jünger aus als er wirklich ist. Natürlich kennt er Gott und die Welt in unserer kleinen Stadt. Man trifft ihn oft auf der Straße und natürlich am Abend in seinem Stammlokal. Und so ist es kein Wunder, dass er und sein Schoppen selten lang allein bleiben.

Die Themen sind vielfältig, Politik, Stadtgeschehen, Sport, meine Firma und natürlich die früheren Zeiten. Ich rede gern mit ihm, wobei man bei dem Thema Politik besser entspannt bleibt, statt jede Konfrontation zu suchen. Unsere Lieblingsthemen sind lokale Themen und natürlich wie es früher war. Den vor mir Geborenen zuzuhören, war schon immer eine Freude für mich. Wer reich an Lebensjahren ist kann meist viel erzählen. Erlebtes persönlich auszutauschen, schafft Raum für neuen Gedanken, erweitert die Sichtweise.

Unersetzbar: das persönliche Gespräch

Das persönliche Gespräch ist wertvoll. Es erfordert alle Sinne, regt den Geist an und beflügelt die Kreativität. Zuhören ist eine Kunst, Toleranz eine Tugend. Trifft das auch auf die heutige digital dominierte Kommunikation zu? Nicht, dass Fernsehen per se dumm macht, nicht dass man durch Handynutzung verblödet, auch wenn man an dem Niveau der Nachrichten oft verzweifeln kann. Aber digitale Kommunikation entfremdet. Wie schnell und einfach ist doch ein anonymer Post abgesetzt. Oft unter der Gürtellinie und dennoch ohne persönliche Folgen. Daraus entstehender Shitstorm, wie man das heute nennt, ist ein Übel unserer Zeit. Der Betroffene bleibt in der Regel geschlagen zurück, meist unfähig sich zu wehren.

Was Karl mit seinem Credo meint, würde ich so in die heutige Zeit interpretieren: Leute geht raus, raus in die Welt, lernt neue Menschen kennen, diskutiert von Angesicht zu Angesicht, hört zu, seid tolerant und lernt von anderen, lebt. Das persönliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Persönlicher Kontakt wirkt ausgleichend. Ganz anders Twitter-Nachrichten. Welches Unheil diese anrichten können, erleben wir jeden Tag.

Ich bin zwar kein Digital native, aber die modernen Kommunikationsformen möchte ich keinesfalls missen. Schließlich war Bernecker einer der Internet Pioniere des letzen Jahrtausends.



Kategorie(n): Digitalisierung, Kommunikation